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[Rezension] Matt Haig – Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben

Dieses Buch habe ich während der Weihnachtszeit immer Stück für Stück in der Mittagspause gelesen. 🙂

Klickt hier, um die Rezension als Video zu sehen.

Das Buch ist im Dtv Verlag erschienen, kostet gebunden 18,90€ und als Ebook 15,99€.

Es ist ein autobiografisches Sachbuch, weswegen ich die Rezension ein bisschen anders gestalte als sonst.

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Worum geht’s?
Matt Haig erkrankte im Erwachsenenalter an einer Depression in Kombination mit einer Angststörung und beschreibt, wie es ihm ging, was ihm geholfen hat und warum es sehr gute Gründe gibt, sich doch für das Leben zu entscheiden.

Design/Gestaltung:
Ich mag das Cover sehr gerne, es ist klar, einfach und macht neugierig. Der Mann auf der Klippe hat einfach diesen Effekt, dass man kurz ins Stutzen kommt. Den Preis fand ich etwas g’schmackig(wie man bei uns in Bayern sagen würde), dafür dass es doch groß geschrieben und wenig platzsparend formatiert ist.

Schreibstil:
Matt Haig schreibt sehr unterhaltsam und mitreißend. Er kann sehr gut beschreiben und vergleichen. Das Buch liest sich wirklich sehr schnell und amüsant. Er kann einen zum Schmunzeln bringen, nimmt einen ganz sanft ein bisschen in die Dunkelheit mit, um einen dann wieder mit sprudelndem Optimismus nach oben zu bringen. Dabei hat er immer eine Portion Sarkasmus übrig, was ich sehr erfrischend finde. Andere Bücher zu dem Thema sind oft sehr trocken und ernst oder esoterisch und salbungsvoll. Auch mit Depressionen kann man lachen oder Witze machen und Matt Haig trifft zumindest meinen Geschmack punktgenau.

Inhalt:
Ich mochte den Inhalt sehr. Matt Haig hat die Symptome, den Verlauf und die Schwierigkeiten einer Depression sehr anschaulich und gut verdeutlicht, so dass auch Nicht-Betroffene gut verstehen können, wie es sich anfühlt. Dabei erzählt er, was ihm geholfen hat, was schwierig war, was schwierig für ihn ist und gibt Anreize und gute Gründe, warum man die Hoffnung nicht aufgeben sollte. Matt Haig erklärt auch sehr deutlich, dass das was ihm geholfen hat, nicht allen Leuten helfen wird.

Ich studiere Psychologie insofern habe ich auch ein bisschen Fachwissen zu dem Thema und ich fand die Darstellungen und Erklärungen in dem Buch sehr gut. Was für mich etwas auf der Strecke geblieben ist, ist der Heilungsprozess. Er schreibt zwar, wie er es zurück ins Leben geschafft hat, aber generell berichtet er an dieser Stelle weniger als noch zu Anfang über die Möglichkeiten, die einem offen stehen.
Das fand ich schade, weil viele Leute oft nicht wissen, was sie in einer Therapie erwarten würde oder inwiefern Medikamente wirken. Matt Haig selbst hat auch Antidepressiva ausprobiert, jedoch haben sie bei ihm nicht so gewirkt, dass er sie weiter nehmen wollte. (Allerdings stand er jeglichen Pillen sehr skeptisch gegenüber. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass Antidepressiva oft sehr gut und vor allem nebenwirkungsfrei bei der Gesundung helfen können). Irgendwann hat er einfach wieder angefangen aus seiner Komfortzone herauszukommen, joggen zu gehen und besonders kleine Schritte zu machen. Kleine Schritte sind gut, aber oft ist dafür auch schon Hilfe von außen nötig. Je nach Form und Schwere der Depression kann es eben nötig sein auch stationär in Behandlung zu gehen. Hier haben mir ein paar mehr sachdienliche Informationen gefehlt, wie Betroffene sich Hilfe suchen können.
Matt Haig hatte vor allem das Glück, dass er versorgt war und seine Familie und seine Freundin immer für ihn da waren. Das ist schön zu lesen und man kann das jedem Betroffenen nur wünschen, aber die Realität sieht leider oft anders aus.
Am Ende hat er auch über Achtsamkeit geschrieben. Das ist im Trend und wird gerade gerne als Allheilmittel für Stress und jegliche Stimmungsprobleme gelobt. Das Grundprinzip ist auch sehr sinnvoll. Bewusst leben, auch für Kleinigkeiten empfänglich und dankbar zu sein ist gut – aber wenn man wirklich in einer schweren Depression steckt, dann sind davon auch die Kognitionen betroffen. Das heißt, selbst wenn man den Moment fühlen und genießen möchte, ist vieles davon schlichtweg nicht möglich. Es geht einfach nicht.
Und Achtsamkeit funktioniert für mich dann, wenn die Probleme, die man hat nicht akkut sind. Es ist ein Prinzip das mit kognitiver Neubewertung bzw. der Verschiebung des Aufmerksamkeitsfokus arbeitet, was teilweise in schlimmen Phasen der Depression einfach nicht klappt. Und manche Situationen sind so scheiße, dass man sich auch nicht über Kleinigkeiten freuen kann. Ich denke, Achtsamkeit ist etwas für Menschen, die vorher vielleicht nicht so reflektiert waren. Aber oft spielen auch neurobiologische Prozesse eine Rolle, die mit kleinen Meditations- und Achtsamkeitstechniken zumindest am Anfang nicht zu behandeln sind.
Matt Haig schreibt, dass er sehr dankbar ist, wie es gelaufen ist und widmete das Buch auch seiner Freundin, heute Ehefrau, Andrea. Er bringt viele allgemeine und konkrete Tipps, wie er seine Stimmung aufhellen konnte. Dazu befragte er u.a. auch seine twitter Follower, die ebenfalls sehr kreativer Gründe von ungelesenen Büchern bis hin zu Speckbrötchen(?!) nannten.

Das Buch kann wirklich nahebringen, dass es wirklich viele gute Gründe gibt, am Leben zu bleiben.Es macht gute Laune und hat viele kleine Lebensweisheiten parat.
Selbst wenn sich das Buch nicht als Ratgeber betitelt, hätte ich mir zumindest im Anhang mehr faktische Informationen gewünscht. Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, die nicht ganz erfüllt wurden.
Trotzdem hat mir das Buch supergut gefallen und bekommt 4 Seesterne!4seesterne.png

Der schwarze Hund

Falls ihr euch traurig und antriebslos fühlt, falls ihr euch schlecht konzentrieren könnt, sich eure Schlaf- und Essgewohnheiten in letzter Zeit verändert haben und ihr keinen Spaß an Dingen habt, die euch sonst Spaß machen – Falls ihr selbst betroffen seid oder jemanden kennt: Depressionen betreffen viele Menschen in Deutschland. Es gibt keinen Grund sich zu schämen. Ihr seid nicht schwach oder verweichlicht. Depression ist eine psychische Krankheit und psychische Krankheiten sind wie körperliche Krankheiten. Sie mögen weniger auffallen, aber sie können jeden treffen.

Viele Menschen durchleben in ihrem Leben eine depressive Episode, bei manchen Menschen kommen diese Phasen wieder. Wichtig ist, sich Hilfe zu suchen! Es gibt zahlreiche verschiedene Angebote und egal wie allein oder schlecht ihr euch fühlt, es kommen bessere Tage.
Hilfe für Betroffene und Angehörige:
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/hilfe-fuer-betroffene.php
http://www.telefonseelsorge.de/
https://www.therapie.de/psyche/info/fragen/psychotherapeuten-finden/tipps-therapeutensuche/
http://www.psychotherapiesuche.de/
http://www.depressionsliga.de/unser-angebot/selbsthilfe-bei-depressionen.html

Bücher:
Ratgeber Depression – http://amzn.to/2jbNX1F
Mit dem schwarzen Hund leben – http://amzn.to/2ioz0MQ

 

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2 Kommentare zu „[Rezension] Matt Haig – Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben

  1. Das Buch steht sowieso schon länger auf meiner Leseliste, aber durch Deine informative Rezension ist es gleich nochmal ein ganzes Stück nach oben gewandert. Das Thema interessiert mich sehr und die Art und Weise, wie Matt Haig einem das nicht zu trocken und nicht jammerig nahebringt, scheint genau nach meinem Geschmack zu sein.

    LG Gabi

    Gefällt 1 Person

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