Bücher · Psychologie

[Rezension] Sarah Kuttner – Mängelexemplar

Hallo meine Lieben!

Heute gibt’s was auf die Ohren. Die Video Rezension werde ich so bald wie möglich nachdrehen! (Hier ist sie)

Ich habe während meiner zwei Tage im Krankenhaus bewusst kein W-LAN genutzt, sondern habe mich auf Bücher bzw. Hörbücher konzentriert. (Gut, ich hing ständig mit dem Handy auf twitter und habe Selfies von meiner Nase gemacht, aber psssst)

Und „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner war dabei!

  • Sprecherin: Sarah Kuttner
  • Dauer: 317 Minuten
  • Ich habe das Hörbuch in der NEON Ausgabe gehört

Mein Tipp: Aktuell gibt es das Hörbuch reduziert auf jokers für 4,99€ in zwei Versionen: Version Argon und NEON Version.

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Worum geht’s?

Großstädterin und Lebefrau Karo Hermann verliert ihren Job, muss ein paar Freunde aussortieren und fällt daraufhin in ein tiefes Loch. Schlummernde Konflikte und Emotionen wollen Aufmerksamkeit, Karo muss sich mit sich beschäftigen. Sie weint auf einmal viel und dann ist da die Angst. Ungewohnt, eine neue Herausforderung, die Karo schnellstens aus dem Weg räumen will. Aber das braucht Mut und Kraft. Wer hält auch in schweren Zeiten zu ihr? Wir begleiten sie auf ihrem Weg, mit Therapie und Psychopharmaka und hoffen, dass Karo ihr Happy End findet.

Sprecher:

An diesem Punkt gehe ich beim Hörbuch jetzt nicht auf das Design ein, sondern auf die Sprecherin ein. Der Schreibstil schreit nach einer quirligen Person, die viele Emotionen darstellen kann und der man den blubbernden Schreibstil abnimmt. Wer passt da besser als Autorin und Allroundtalent Sarah Kuttner? Für mich die beste Wahl!

Schreibstil:

Der quirlige, bunte sehr anschauliche und mit ulkigen Vergleichen gespickte Schreibstil von Mängelexemplar eignet sich sehr gut für ein Hörbuch und ich kann mir sogar vorstellen, dass er als Hörbuch besser und lebhafter wirkt. Zum Lesen stelle ich mir das auf Dauer nämlich ein bisschen anstrengend vor. Die Sprache ist sehr bunt, blumig und flippig gehalten, sehr eigen und ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Karo erzählt aus Ich-Perspektive und berichtet viel aus ihrer Gedankenwelt, aber auch wie sie die anderen Charaktere sieht.

Inhalt:

„Depression ist ein fucking Event!“, schallt uns der erste Satz entgegen. Karo Hermann, Großstädterin mit überschießender Energie und einem ständig vor sich hin quasselnden Kopf, verliert ihren Job, in ihrem Freundeskreis und der Beziehung kriselt es. Für die fröhliche, selbstironische Karo brechen härtere Zeiten an. Traurigkeit, Leere und die Angst. Diagnose: Depression. Dann die Panikattacke. Das tiefe Loch bzw. das Fehlen von Gefühlen ist komplett neu für sie. Plötzlich muss die selbstständige Frau sich Hilfe suchen und sich auf andere verlassen. Wir begleiten sie durch das erste Jahr hindurch, sehen Freunde kommen und gehen, sehen das Auf und Ab und können auch bei der Therapie Mäuschen spielen. Dabei zeigt sich, dass Karos fröhliche Fassade vor allem einem dient: Dem Selbstschutz. Negative Gefühle? Etwas Neues für Karo. Sich mit sich selbst, ihrem Leben und ihrem Umfeld so intensiv auseinander zu setzen bringt viele Probleme mit sich und Karo hofft nur eins: Ihr Happy End zu finden und die Depression schnellstmöglich mit Therapie zu bekämpfen und hinter sich zu lassen. Aber so einfach funktionieren Depressionen nun mal nicht.

Selbst Karo ist bei ihren Erzählungen sehr bemüht alles humorvoll und lustig darzustellen, sodass selbst ihre dunklen Momente mit einem gewissen Abstand betrachtet werden. Hier hätte ich mir manchmal noch ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit gewünscht, ansonsten wurde das Thema schön sarkastisch und mit viel Humor behandelt. Etwas komplett Neues ist das Thema nicht, aber der Umgang und die Herangehensweise von Sarah Kuttner haben mir gut gefallen.

Charaktere:

Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird bekommen wir hauptsächlich Karo mit. Da gibt es noch den Popstar-Psychiater, Psychotherapeutin Anette, Philip, David, Max und Karos Familie und Freunde. Der Fokus liegt klar auf Karo und ihrem Innenleben, die anderen Charaktere sind sehr realistisch und reagieren unterschiedlich aufs Karos Krankheit. Wahre Freunde bleiben, falsche gehen und manche Leute begleiten einen nur ein Stück lang.

Mir gefiel die Entwicklung von Karo sehr gut, ihre Überlegungen und die Entwicklungen und Erfahrungen, die sie gemacht hat. Sie war manchmal etwas dickköpfig und man schüttelte den Kopf, aber das sollte man.Karo sagt mehrmals selbst von sich, das sie anstrengend ist. Und das stimmt, aber sie ist auch liebenswert und kreativ und eben ein richtiger Mensch mit guten und schlechten Seiten.

Ich frage mich, ob und wie viel autobiografisches von Sarah Kuttner in Karo steckt, denn es fühlte sich an als gäbe es Karo wirklich so natürlich kam es rüber.

Ende:

Das Ende war perfekt. Von vielen Geschichten zu dem Thema Depression war das ein realistisches Ende ohne zu sehr in Extreme abzudriften. Toll!

Fazit:

Als Hörbuch kann ich die Geschichte uneingeschränkt empfehlen! Mit 317 Minuten ist es wunderbar für längere Zug oder Autofahrten geeignet und das Thema ist durch die humorvolle Aufbereitung nicht zu belastend. Dennoch leiden und hoffen wir mit Karo und vielleicht kann der ein oder andere eine Lehre für sich daraus ziehen. Es bringt einem unbewusst viel über die Krankheit und die nötigen Soft Skills bei. Ich finde, jeder sollte es gehört oder gelesen haben! Von mir gibt es 4,5 Seesterne, da ich Karos Erzählstil doch manchmal etwas zu anstrengend fand. 😉

45seesterne

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Ein Kommentar zu „[Rezension] Sarah Kuttner – Mängelexemplar

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