Schreiben

Schluss machen

Schluss machen fällt mir unglaublich schwer. Also damit meine ich jetzt nicht Beziehungen beenden – das ist auch nicht leicht, aber eine ganz andere Kiste! Ich habe unzählige angefangene Schreibprojekte auf meiner Festplatte herumdümpeln.ordner

Alles feinsäuberlich sortiert und thematisch in Ordner gegliedert. 15 Dokumente allein im Fantasy-Ordner. Einige habe ich bereits angefangen, Szenen aufgeschrieben und könnte eigentlich weiterschreiben. Bei manchen ist immerhin eine Wordseite vollgeschrieben, andere sind nur Ideen.

Auch in meinem Hauptprojekt, meinem „Baby“, das den Arbeitstitel „Save Our Souls“ trägt, bin ich noch nicht zu einem Ende gekommen. Ich stecke seit Anfang des Jahres im letzten Viertel fest. Mir fehlt noch der große Showdown und dann ein Ausblick auf die Geschehnisse in Band 2. Aber ich ächze und krieche seit Wochen in diesem Showdown und will nicht so recht zu einem Ende kommen. Viel lieber prokrastiniere ich damit in den vorigen Kapiteln zu basteln und zu editieren.

Woran liegt das? Nun, ich glaube einerseits habe ich Angst oder Respekt davor.

Angst, dass es ernst wird, wenn ich in die Überarbeitung gehe. Angst, dass der Zauber verloren ist und dass ich nichts mehr zu sagen habe, wenn diese Herzensgeschichte fertig erzählt wird. (Was bei meinem wirren Hirn eigentlich unmöglich sein sollte)

Ich bin ein Discovery Writer. Mir reicht eine kleine Idee, ein Aufhänger, ein Charakter und ich schreibe los. Bei manchen Geschichten setze ich natürlich feste Fixsterne auf die ich hinarbeite, um mich zu orientieren – aber alles was dazwischen kommt bleibt ungeplant. Das bedeutet im Nachhinein oftmals viel Arbeit durch Umschreiben, Umstellen und neu schreiben – aber es ist die Methode mit der ich am Besten fahre. (Auch ein Grund, warum ich ganz selten Schreibtipps gebe. Ich schreibe zu wirr und zu unordentlich, als dass ich glaube, das meine Methode wirklich für viele Autoren und Autorinnen da draußen geeignet ist)

Je ausgeklügelter, konstruierter eine Geschichte von mir ist, desto langsamer komme ich voran. Paradox, oder? Ich kann es mir nicht richtig erklären. Vielleicht hemmt mich das auch kurz vor dem Ende, weil das Ende oftmals eines der ersten Dinge in einer Geschichte ist, die bei mir fix sind.

Aber ich will diese Geschichte beenden. Ich will sie hinaus in die Welt schicken und mit euch teilen. Ich will auch Band 2 schreiben und noch viele Geschichten mehr, die in meiner Schatztruhe aka Hirn schlummern.

 

An meine lieben Autorinnen und Autoren da draußen – was fällt euch beim Schreiben schwer? Wenn ihr auch Schwierigkeiten habt, Schluss zu machen, was sind eure Kniffe, Ratschläge und Tricks?

 

 

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4 Kommentare zu „Schluss machen

  1. Zuerst einmal reiche ich dir beide Hände, weil auch ich vornehmlich als Discovery Writer unterwegs bin. Und ich kann dir vielleicht ein wenig Hoffnung machen: Wenn du erst einmal ein paar Romane auf diese Weise bis zum Ende gebracht hast, dann schleichen sich ganz von alleine Strukturen ein, die dafür sorgen, dass du weniger grundlegende Dinge während der Überarbeitung umbauen musst. So lautet jedenfalls meine Erfahrung. Das setzte bei mir so ab dem 5. fertiggestellten Entwurf ein.

    Nun schreibe ich ja schon lange keine Fortsetzungsgeschichten mehr. Das letzte Mal ist über zwanzig Jahre her. Aber ich kann mich noch erinnern, dass es mir genauso ging wie dir, dass ich mich mit dem Showdown schwer tat, der einerseits ja für sich alleine stehen und begeistern sollte, andererseits aber auch genug Feuer übrig ließ, um auf den kommenden Part neugierig zu machen.

    Mein „Trick“ damals war, ähnlich wie es bei vielen Fernsehserien der Fall ist, einen Knalleffekt zum Schluss zu bringen, meistens in Form einer Actionsequenz. Ich schrieb damals Science-Fiction. Einmal retteten meine Helden den Herrscher eines Planetoiden, einmal befreiten sie einen Großmeister der Parapsychologie und beim dritten (und unplanmäßig letzten) Band vertrieben sie ein kriegerisches Volk von einem Planeten.

    Der Schluss war aber jedesmal ganz intim auf die Personen gerichtet, um die es eigentlich ging. Es ging natürlich „auch“ um das knallige, die Action, das Lasergewitter und die PSI-Kräfte, aber am Ende waren es die Personen, die das letzte Wort hatten und den Leser bei der Stange halten sollten.

    Band 1 endet damit, dass die Helden sich mit ihrem Raumschiff weiter auf den Weg zum Ziel ihrer Träume machen (was sie dann auch zum Einstieg von Band 2 erreichen). Band 2 endet sowohl mit der Enthüllung, dass der Hauptgegner nicht tot ist, wie erwartet, zum anderen damit, dass meine Protagonistin von dem geretteten Parapsychologen in die Lehre genommen wird, was in Band 3 eine große Rolle spielt. Und Band 3 fährt als Schlussszene auf, wie zwei meiner Helden sich ihren ersten Kuss geben – was von besagtem Großmeister telepathisch beobachtet und sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird.

    Der „Trick“ klappte jedesmal so gut, dass ich praktisch selber sofort wissen wollte, wie es jetzt weitergehen würde. Und wenn ich nicht irgendwann begriffen und eingesehen hätte, dass ich die Romane meiner „Silverstar“-Reihe niemals würde veröffentlichen können, weil sie sich ein wenig zu sehr bei anderen Mythologien bedienten, wäre es wohl auch ewig so weitergegangen.

    Keine Ahnung, ob dir das irgendwie weiterhilft, aber ansonsten habe ich dir halt eine nette, kleine Geschichte erzählt 😉 .

    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    1. Viele Dank für deine lieben Worte Michael! ❤
      Dass die Hoffnung besteht, dass sich das irgendwann bessert, finde ich sehr gut.
      Deine Reihe klingt sehr spannend.
      Ich weiß auch schon, was ich für Band 2 andeuten möchte. Jetzt muss es mir nur noch gelingen, den Knall glaubhatft abzuschließen! ^^*

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  2. Du sprichst mir hier von der Seele!!! Auch auf meiner Festplatte dümpeln unzählige angefangene Geschichten, Ideen und einzelne Szenen herum und betteln um meine Aufmerksamkeit.
    Auch bei meinem Hauptprojekt ist kein Ende in Sicht – und da schreibe ich (mal mehr, mal weniger) seit vier Jahren dran. Vier! Und das, obwohl es ursprünglich nur so 30 Seiten werden sollten.
    Denn wie du, hänge ich die meisten Geschichten an einer kleinen Idee, einer Szene, einem Charakter auf und schreibe dann erst mal drauf los. Für dieses Projekt hatte ich eine bestimmte Szene im Kopf, an die ich heranführen wollte und dann sollte eigentlich auch schon Schluss sein. Aber als ich bei der Szene ankam, war Seite 30 längst überschritten und ich hatte die Charaktere schon viel zu lieb gewonnen um einfach aufzuhören. Und dann wurden aus 30 Seiten 100, dann 200, dann 300… Und irgendwann habe ich beschlossen: Okay, dann wird es halt ein ganzes, richtiges Buch.
    Dann wurde es zu viel für ein Buch und ich habe die Entscheidung getroffen, es in zwei Bände aufzuteilen.
    Mittlerweile plane ich Band 3… Wenn man das planen nennen kann. Ich hab zumindest schon mal die Szene, an der ich die Geschichte aufhängen werde, im Kopf. 😀

    Also ja, ich verstehe dich sehr gut. Schluss machen – kann ich gar nicht.
    Vielen Dank für die Einblicke in deinen Schreiballtag – jetzt fühle ich mich mit meinem Chaos nicht mehr ganz so allein.

    Ganz liebe Grüße
    Maike

    Gefällt 2 Personen

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