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[Rezension] Sebastian Fitzek – Das Paket

Nach einer längeren unibedingten Leseflaute im letzten Jahr habe ich aktuell wieder richtig Spaß und Lust am Lesen. ❤

Endlich habe ich mich einem besonderen Schätzchen gewidmet: „Das Paket“ von Sebastian Fitzek – der erste Fitzek, den ich gelesen habe.

Worum gehts?

Psychiaterin Emma Stein wird Opfer des „Friseurs“, eines Serientäters: sie wird vergewaltigt und ihr werden die Haare geschoren. Mit einem Unterschied: Sie überlebt. Doch die Tat hinterlässt tiefe seelische Narben und sie traut sich nicht mehr aus dem Haus, hat Panikattacken und ein normales Leben mit ihrem Mann Philipp scheint undenkbar. Dass einige an der Wahrheit ihrer Worte zweifeln macht alles noch schlimmer. Eines Tages nimmt Emma ein Päckchen für einen Nachbarn an, dessen Namen sie nicht kennt. Und dieses Päckchen soll der Beginn einer schrecklichen Geschichte sein, bei dem sich Emma ihrem Trauma und dem verrückten Serienmörder erneut stellen muss.

Meine Meinung:

Ich weiß noch, ich war ganz verzückt als es ganz neu bei uns im Buchladen in der Lieferung war. Das Design des Buches ist on point. Der Inhalt klang auch ganz spannend, aber ich glaube die unfassbar coole Verpackung war einer der Hauptgründe für meinen Kauf. Hut ab dafür lieber Droemer-Knaur Verlag!

Als Psychologiestudentin freue ich mich immer über Personen aus meiner Berufsgruppe als Protagonisten. (Seelenbrecher von Fitzek möchte ich übrigens auch noch lesen) Einerseits weil man sich mit der Figur dadurch mehr verbunden wird, andererseits weil die Einblicke und das Verständnis der Charaktere dadurch tiefer wird. Emma weiß z.B. genau, welche Medikamente sie nimmt, was diese bewirken und was ihre Symptomatik bedeutet. Inhaltlich also eine spannende Ergänzung zur beklemmenden Atmosphäre. Natürlich macht es das umso frustrierender, dass ihre psychische Genesung nach der schrecklichen Attacke nicht so gut verläuft. Freunde und Polizei werfen ihr vor eine pathologische Lügnerin zu sein, dass sie in ihrer Kindheit bereits wegen eines eingebildeten Freundes in psychotherapeutischer Behandlung war, macht es nicht besser. Diese Selbstzweifel – bin ich wirklich verrückt, bilde ich mir das alles ein oder kann ich meinen Sinnen trauen? – ziehen sich durch das ganze Buch und tragen maßgeblich zur Spannung bei. Atemlos und ebenso vorsichtig folgen wir Emma über das dünne Eis, auf dem sie sich bewegt. Ein paar Mal werden wir auf der Suche nach dem Schuldigen auf den Holzweg geführt und erst ganz zum Schluss offenbart sich das Ausmaß dieser Enthüllung.

Das Buch hat einen starken Anfang, war in der Mitte für mich manchmal etwas vorhersehbar und hat zum Ende hin nochmal beschleunigt. Mein erster Verdacht hat sich nicht bestätigt, wobei ich gar nicht so falsch lag, aber ich war dann doch etwas überrascht. Für mich war die Auflösung in ihrer mangelnden Detailierheit etwas unbefriedigend, weil ich mich weiterhin gefragt hab: „Und wie hat er das jetzt unentdeckt, abgesehen vom Hotelzimmer, geschafft? Wie kam er da und dort hinein?“

Zum Schreibstil von Sebastian Fitzek kann ich nicht wirklich viel sagen. Er trägt einen angenehm durch die Geschichte, lässt sich gut lesen, könnte aber an der ein oder anderen Stelle für meinen Geschmack durchaus eine Schippe drauflegen. Manchmal hätte ich mir genauere Ausführungen zum Tathergang, den Details, der Psychologie o.Ä. gewünscht. Die Eingangsszenen waren sehr fesselnd, danach hat das Buch die Atmosphäre nicht mehr so beklemmend hinbekommen finde ich.

Wir bleiben das ganze Buch über beim Charakter Emma Stein, andere auftretende Personen – außer Ehemann Philipp, Paketemfpänger A. Palandt, Anwalt Konrad – kommen eher am Rande vor. Emma war verschwommen und unklar, weil sie selbst nicht genau wusste, wer sie war, was sie einst ausmachte und psychisch heftig angeschlagen war. Dennoch kämpfte sie verbissen, um Gewissheit zu bekommen und den Friseur zur Strecke zu bringen. Die anderen Charaktere verhielten sich durchaus glaubhaft, blieben aber relativ blass. Ihre Persönlichkeiten trugen auf ihre Art zur Geschichte bei.

Am Ende wurde es nochmal spannend, aber ganz zufrieden war ich mit dem Abschluss nicht. Die Enthüllung der Identität des Friseurs und das letzte Gespräch konnten für mich nicht die Tiefe und Betroffenheit erzeugen, die ich mir gewünscht hatte. Es war mir irgendwie gleichgültig. Zum zehnjährigen Autoren-Jubiläum sind hinten noch Leserbriefe abgedruckt, die sich wirklich rührend lesen. Sebastian Fitzek kommt als Mensch einfach sehr bodenständig, sympathisch rüber (Ich meine Hallo?!, er hat ein Kinderbuch namens „Pupsi & Stinki“ geschrieben!) und das finde ich unfassbar toll.

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Fazit:

Das Buch hat mich sehr gut unterhalten, war spannend und ließ sich schnell lesen. Da Sebastian Fitzek von vielen Leuten sehr gefeiert wird, war ich irgendwie etwas „underwhelmed“, also unterwältigt. Ich fand das Buch gut, aber es hat mich nicht durchgehend gepackt und wirklich emotional mitgerissen. Vielleicht liegt es einfach ein wenig am Genre, da ich nicht so der Krimi/Thriller Leser bin. Dass ich meistens schnell weiß, wo der Hase lang läuft und was wie zusammenhängt. Dennoch kann ich das Paket als spannende, gute Lektüre gerne weiterempfehlen!

Ich werde auf jeden Fall noch ein paar weitere Fitzeks lesen (Passagier 23 liegt schon im Regal, der Seelenbrecher soll noch zuziehen). Vielleicht schafft es eines seiner anderen Bücher mich komplett zu fesseln. Ich vergebe 4 Seesterne, da das Buch spannend, unterhaltsam und für mich ein Grund war, definitiv mehr von Sebastian Fitzek lesen zu wollen!

4seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


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Ein Kommentar zu „[Rezension] Sebastian Fitzek – Das Paket

  1. Vielen Dank fürs Verlinken!
    Ich mochte das Paket ja sehr, aber ich kann deine Kritik auch sehr gut verstehen :). Das ist eine schöne Rezension, die sehr nachvollziehbar ist!
    Mein liebstes Buch von Fitzek ist immer noch sein erstes: Die Therapie. Das war auch mein erster Thriller und seitdem liebe ich das Genre :D. Der Seelenbrecher mochte ich aber auch sehr. Viel Spaß damit!
    Liebe Grüße
    Charline

    Gefällt 1 Person

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