Allgemein · Psychologie

Mein Körper ist gut so! (Bodyshaming & Bodypositivy)

Und mal wieder ein Thema abseits von Schreiben und Büchern. Das heißt nicht ganz, denn in Büchern gibt es auch Beispiele von Beidem.

milde Triggerwarnung: Ich erwähne Beleidigungen und Essstörungen

Ausschlaggebend dazu war dieser Tweet von der lieben Anabelle:

Nun, natürlich könnte man argumentieren, dass nur die Meinung des männlichen Charakters wiedergespiegelt wird. Und viele normalgewichtige oder korpulentere Frauen bauen sich scheinbar daran auf, dass „Nur Hunde mit Knochen spielen“. Dieses Zitat entstammt einem sog. „New Adult“ Buch – ich bin immer noch nicht ganz happy damit, das als Genre zu bezeichnen, denn im Prinzip ist es romantische bis erotische Alltagsliteratur. „New Adult“, NA, steht dabei nur für das Alter der Protagonisten, ebenso wie bei „Young Adult“, YA. Jedoch fällt mir oft auf, dass im Bereich der erotischen Literatur rundere Frauen von ihren Love Interests in den Himmel gelobt werden, weil sie eben einen kleinen Rettungsring haben und normal essen können. Als seien alle Frauen, die kleine Busen oder einen flacheren Bauch haben damit automatisch hässlich und essgestört. Ich weiß ja nicht, aber ich finde das keine so tolle Sichtweise.

Tschin Tonik merkte auch noch etwas Wichtiges an. Stimmt – Männer in diesen Büchern können meistens nur diese eine Frau perfekt, wunderschön und interessant finden. Alle anderen Frauen sind oft dumm, hässlich und uninteressant. Freundschaft unmöglich zugunsten des Love Interests?

 


Lasst mich ein wenig ausholen.

Als ich 13, 14 war – pummelig, Zahnspange, Brille und Pickel – war für mich auch der einzige Weg mich einigermaßen wohl zu fühlen Abwärtsvergleiche anzustellen. „Ja, XY ist noch fetter als ich“ oder „Wenigstens hab ich Brüste“. Und manchmal erwische ich mich noch bei solchen automatischen fiesen Gedanken. Einerseits sehen wir gertenschlanke Models auf dem Lauftsteg und makellose trainierte braungebrannte Körper in Zeitschriften, andererseits versuchen wir Ottonormalbürger mit breiten Hüften, kleiner Oberweite, kurzen Beinen oder rundem Hintern uns dagegen zu wehren. Zurecht! Denn Körperformen sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Aber müssen wir dazu ständig bodyshaming betreiben?!

Ein kleines Beispiel:

  • Eine dicke Person bestellt sich im Restaurant einen Burger mit Pommes. Vielleicht habt ihr euch auch schon mal bei dem Gedanken erwischt, dass ihr der Person eher zu einem Salat als Beilage geraten hättet.
  • Eine dünne Person bestellt einen Salat. Vielleicht verdreht ihr die Augen und denkt, sie sollte sich eine Scheibe von der oberen Person abschneiden.

Wenn ihr nicht so denkt – wunderbar, ihr seid sensibel und bedacht, nicht über Personen zu urteilen, die ihr nicht kennt. Wenn euch im ersten Moment dieser Gedanke in den Kopf schießt, dann seid aber nicht beunruhigt. Oftmals fallen uns die fiesen, gehässigen Sachen zuerst ein – d.h. aber nicht, dass wir diesen spontanen Gedanken hilflos ausgeliefert sind. Im Gegenteil: Auch ich denke manchmal fiese Sachen – vielleicht weil man von der Gesellschaft oder seinem Umfeld in eine bestimmte Weise konditioniert wurde. Im zweiten Schritt kommt aber der Verstand, die Logik – über die man sehr wohl Kontrolle hat.

  • „Womöglich hat die dicke Person einen schweren Arbeitstag hinter sich, hat mächtig geschuftet und jede Menge Hunger und gönnt sich diese Portion Pommes“ oder sie hat Lust auf einen leckeren Burger mit Pommes
  • „Vielleicht hat die dünne Person schon einen Snack gehabt und hat einfach keinen Hunger mehr“ oder sie hat Lust auf einen leckeren Salat

Und selbst wenn die dicke Person nur fettige Sachen in sich hineinstopft und die dünne Person penibel auf ihre Figur achtet: Es geht euch nichts an. Es kann euch egal sein.
Seid ihr in der Position über diese Personen zu urteilen? – Nein.

Bodyshaming gibt es in beiden Richtungen. Ich denke daran, dass dicke Leute oftmals belächelt, veräppelt oder sogar beleidigt werden, besteht kein Zweifel. Wenn ich ins Fitnessstudio gehe(wohlgemerkt reines Frauenstudio), kommen auch von manchen Frauen skeptische oder verachtende Blicke. Aber, wenn ich mit meiner schlanken Freundin rede, die in meinen Augen aussieht wie eine wunderschöne kleine Elfe und perfekt ist, wie sie ist, dann höre ich von ihr auch oft, dass ihr gesagt wird, sie solle zulegen oder habe zu kleine Brüste. Das macht mich betroffen.

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Das auf dem Foto bin ich mit 14 – ich hatte mir das Kleid neu bei EMP bestellt. Ich war als Kind zwar normalgewichtig aber seit meiner Pubertät habe ich ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Eine Tatsache, mit der ich sehr lange und bis heute noch manchmal kämpfe. Ich hatte das Foto damals auf lokalisten (Herrje bin ich alt) hochgeladen, da ich das neue Kleid präsentieren wollte. Es war  kaum einen Tag online, da meinten ein paar Kerle Kommentare abgeben zu müssen. „Was für Krautstampfer!“, bezogen auf meine Beine und ein Kommentar, über den ich heute ehrlich gesagt ziemlich lachen muss: „Du bist so fett, du brauchst ein Schaf als Tampon.

Nett, oder? Das sollte man nicht zu einer 23-jährigen sagen und schon gar nicht zu einer 14-jährigen. Das tut verdammt weh. Und es hat meine Wahrnehmung nachhaltig beeinflusst und dafür gesorgt, dass ich oft Süßigkeiten mit einem schlechten Gewissen gegessen habe und heimlich – was eher das Gegenteil bewirkte als das, was die Leute damit intendierten. Meine Eltern haben mir auch oft gesagt, dass ich bei meiner Ernährung aufpassen muss. Das werfe ich ihnen nicht vor: Sie wollten nur mein Bestes.

Studien haben jedoch gezeigt, dass Kinder, denen man von klein auf sagt, dass sie zu dick sind (unabhängig von ihrem Gewicht als Kind) später eher übergewichtig werden. Um das zu veranschaulichen könnt ihr auch diesen Artikel hier lesen, wenn ihr mögt. (Ich finde leider die Studie nicht mehr, aber ich werde sie verlinken sobald ich sie gefunden habe)

Was ich damit aber vor allem sagen möchte: Wenn man Kindern und Jugendlichen schon von klein auf einen teils ungesunden, negativen Fokus vermittelt, dann hat das bleibende Folgen. Egal ob man sie als „fette Sau“ oder als „Hungerhaken“ bezeichnet. Im schlimmsten Fall folgen Essstörungen, meistens aber zumindest ein ungesundes Verhältnis zum eigenen Körper und zum Essen. Der eigene Körper ist der eigene Körper. Gegen meine Fettverteilung kann ich nicht viel tun. Was ich beeinflussen kann ist die Ernährung und da sollte man ansetzen. Vermittlen, dass Gemüse vielseitig und lecker ist. Chips und Schokolade sollten keine Tabus und kein Frustmittel sein, sondern genossen werden, wenn man sie sich erlaubt.

In der Psychologie, vorrangig in der Behandlung von Essstörungen eingesetzt, lehrt man die sogenannte „Set Point Theory„, die wissenschaftlich nicht ganz unumstritten ist. Diese Theorie geht davon aus, das jeder erwachsene Mensch ein Grundgewicht hat, um das er – ähnlich einer Sinuskurve – schwankt. Um von diesem Grundgewicht dauerhaft abzuweichen müsste man entweder extrem viel oder extrem wenig essen.

setpointtheory

Hier mal skizzenhaft abgebildet. Diese Theorie soll Betroffenen helfen zu erkennen, dass sie letztendlich zwar die Ernährung, aber nicht ihren Körper beeinflussen können z.B. die Stoffwechselgeschwindigkeit, Darmbakterien oder ob sich das Fett an den Hüften anlegt oder am Bauch. Es soll aber auch keine Entschuldigung für ein ungesundes Essverhalten sein, denn die Ernährung kann man beeinflussen.

In der Forschung ist das Thema Ernährung und Gewicht nach wie vor umstritten und alle paar Jahre gibt es einen Perspektivenwechsel bzw. andere Ratschläge ob nun ungesättigte Fette oder Kohlenhydrate oder wer auch immer die bösen sind.

Dass der eigene Körper ein wichtiges Thema ist, brauche ich nicht extra hervorzuheben. Die Medien, die Werbung, die Kuchenrezepte hinter der 14-Tage-Super-Duper-Diät in Frauenzeitschriften, die erschreckenden ProAna Foren, die teilweise extremen Formen der Bodypositivy…


Um den Bogen zurück zum Bodyshaming zu schlagen – ich habe gertenschlanke Freunde, die essen wie ein Pferd. Ich esse sicherlich manchmal zu fettig und zu viel und zu süß, in der Regel achte ich aber auf viel Obst und Gemüse und treibe regelmäßig Sport – dennoch bin ich übergewichtig. Und meistens mag ich meinen Körper trotzdem, denn ich fühle mich wohl. Der Körper ist komplex und zumindest die Knochenstruktur – da sind wir uns alle einig – ist gegeben. Wenn ich jetzt 50kg abnehmen würde, würde ich aussehen wie ein ungesundes Skelett. Es gibt aber eben auch Menschen, die von Natur aus kleiner und schmächtiger gebaut sind. Das ist eben so und damit sollten wir uns abfinden.

Fat-shaming ist oftmals offensiver, vielleicht etwas präsenter, aber das heißt nicht, dass auch dünne Leute nicht mit skinny-shaming zu kämpfen haben. Und es ist so ätzend, dass Frauen das Gefühl haben müssen, sich durch „Männer“ bestätigen zu lassen, dass „echte Männer“ auf Kurven stehen. Bodypositivy sollte dadurch entstehen, dass man sich selbst akzeptiert wie man ist und nicht durch die Abwertung und den ständigen Vergleich mit anderen (auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht die einfachere Methode ist).

Anstatt also andere Menschen aufgrund ihrer Figur zu dissen, zu shamen und abzuwerten, sollten wir eeeendlich akzeptieren, dass jeder seine eigene Lebensweise hat.

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Quelle: Sarah & Catherine Satrun

Ja, ich bin bodypositive, auch als „Moppelchen“ – ich mag mich und das war und ist ein harter Weg. Ein paar Kilo weniger würden mir nicht schaden, aber ich möchte mich dazu nicht komplett verbiegen. Ich finde mich gut. Dennoch würde ich meinen Kindern nicht vermitteln wollen, dass ich das Nonplusultra, die Perfektion in Person oder das einzige Schönheitsideal bin. Ich möchte natürlich, dass Menschen einen gesunden Bezug zu ihrem Körper haben. Das heißt aber auch, auf sich zu achten: ein wenig Sport zu treiben und sich ausgewogen zu ernähren. Und ich muss keine schlankeren Frauen verurteilen und verachten, um mich selbst als wertvoll und begehrenswert wahrzunehmen.

Ich habe diesen Blogeintrag vor allem aus meiner Perspektive geschrieben und ich identifiziere mich als Frau. Dass dieses Thema bei allen Geschlechtern existiert und bei manchen auch eher totgeschwiegen wird, sollte man nicht außer Acht lassen.

Nun ich denke in Büchern darf man auch gerne Charaktere zeichnen, die ungünstige, schädliche oder eklige Denkweisen haben – vermutlich denken viele Autor*innen auch gar nicht über die Konsequenzen von „kleinen Bemerkungen“ nach. Vielleicht rege ich mich auch unnötig auf, ich weiß es nicht. Ich selbst habe in meinem Buch z.B. Sasha eine erklärte Männerhasserin, die bestimmt als sog. „Feminazi“ durchgehen würde. Allerdings reagieren meine anderen Charaktere entsprechend auch entsetzt oder kritisch auf ihre Aussagen – und ich hoffe, dass der Leser somit angehalten wird, darüber nachzudenken. In Liebesromanen wo der Fokus auf zwei Charakteren liegt, die intime Gespräche miteinander führen, ist es natürlich nicht so einfach, eine Stimme der Vernunft das Gesagte hinterfragen zu lassen – die weibliche Protagonistin soll sich schließlich bestätigt, umgarnt und umschmeichelt fühlen. Auf jeden Fall ist etwas, was ich mir für zukünftige Bücher aus dem Genre wünsche: Reflektiertheit.
Wenn nicht durch die Charaktere, dann im Nachhinein oder vorneweg. Das gilt nicht nur für Körperformen, sondern auch für das bereits von mir angesprochene Thema der sexuellen Dominanz bzw. Gewalt, wie ihr hier nachlesen könnt.

Aber natürlich kann das nicht nur die Aufgabe von Autor*innen sein. Leser*innen, Blogger*innen, Lektor*innen. Wir alle sind gefragt, damit Bücher weiterhin alle möglichen Freiheiten haben können, aber diese nicht stillschweigend heruntergeschluckt und gerade von jungen Leser*innen für bare Münze genommen werden.


Was denkt ihr? Rege ich mich unnötig über Kleinigkeiten auf? Haben dicke Leute es verdient, geshamed zu werden, weil sie zu viel essen und zu wenig dagegen tun? Sind Bücher Fiktion und dürfen das?

Ein weiterer guter Beitrag zu diesem Thema kommt von Pialalama.

Ich möchte mit diesem Beitrag niemanden angreifen oder verletzen, falls ihr eine Formulierung ungünstig findet, dann sagt mir das bitte.

Ich wünsche euch einen schönen Restsonntag,
eure Babsi

 

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13 Kommentare zu „Mein Körper ist gut so! (Bodyshaming & Bodypositivy)

  1. Erstmal: Wow! Was für ein toller und ausführlicher Beitrag!
    Ich habe dem nicht viel hinzuzufügen, weil ich dir absolut zustimme. Deshalb eine kleine Anekdote von mir:

    Als Kind wurde mir von meinen Eltern immer gesagt, dass ich ganz doll aufpassen muss, was ich esse, denn sonst würde ich aussehen, wie ein Pferd.
    Das haben sie gesagt zu einem Kind, das (lass mich kurz nachdenken) 12 Stunden Sport die Woche gemacht hat. Ich will ihnen gar nichts vorwerfen, weil ich mir sicher bin, dass sie mein Bestes wollten, aber als Kind von ca. 14 Jahren entwickelt man dann doch ein paar Komplexe.

    Ich war also 100% davon überzeugt, dass ich dick war. Und das bei einem BMI von 19. Mit vielen Muskeln. Ich war ein Hungerhaken. Egal.

    Dann habe ich einen Sommer in einem Sommercamp verbracht. Und ich habe dort jeden Tag (weil es so auf dem Plan stand und ich echt Spaß daran hatte) jeden Tag etwa 5 Stunden Sport gemacht. Ich kam aus dem Sommercamp zurück mit einem BMI von 16. Ich hatte nicht abnehmen wollen, aber bei so viel Sport passiert das halt. Und meine Mutter hat mich angeschaut und gesagt: „Wow! Du siehst echt toll aus. Versuch mal so zu bleiben.“

    Das habe ich auch versucht, weil ich dachte, dass das ein gesundes Gewicht für mich ist und habe es natürlich nicht geschafft.
    Und erst jetzt Jahre später ist mir aufgefallen, wie krankhaft das eigentlich ist.
    Ich bin immer noch nicht über die Komplexe hinweg, die ich als Kind bekommen habe.
    [Ich hatte nie eine Essstörung, nur fiese Selbstzweifel.]

    Im Moment habe ich ein normales Gewicht, aber es fällt mir immer noch schwer das zu akzeptieren. Aber ich arbeite dran. Obwohl mir so ne dumme innere Stimme sagt, „Hey, mit nem BMI von 19/18 sähst du bestimmt besser aus.“
    *seufz*

    Gefällt 3 Personen

    1. Hallo Sina, vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Der BMI ist generell eine Zahl, die viel zu wichtig genommen wird. Muskeln wiegen mehr als Fett und große Personen haben ohnehin Probleme. Ich würde auch gerne noch ein bisschen abnehmen aber vor allem für mein Wohlbefinden und nicht, weil es irgendjemand sagt. Man sollte sich einfach klar machen, dass man okay ist, wie man ist. Verbessern kann man sich immer und in jeder Hinsicht, aber die Menschen um einen herum lieben einen genau so wie man ist. 🙂
      Tut mir leid, dass du weiterhin mit solchen Selbstzweifeln zu tun hast :/

      Liebe Grüße,
      Babsi

      Gefällt 1 Person

  2. Hallöchen 🙂
    Mir gefällt der Beitrag sehr gut. Vor allem, weil jeder, egal welcher Figurtyp man ist, der Kritik ausgesetzt ist. So bin ich klein und sehr zierlich. Darf mir immer wieder anhören, ich sollte mehr essen. Mehr geht aber nicht. Ich esse schon 3-5 Mal am Tag. Ich wünsche mir z. B. 4-5 kg mehr. Aber die nimmt man auch nicht an 2 Tagen zu.
    Liebe Grüße
    Jule

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jule,
      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Eben, genausowenig wie man 4-5kg in zwei Tagen abnimmt (weder das eine noch das andere wäre gesund)! Die Kritik kommt oftmals sogar von anderen Frauen und das finde ich auch extrem doof.
      Lass dir keine Flausen in den Kopf setzen! Du solltest auf deinen Körper hören und essen, wenn du hungrig bist. Egal ob du davon zunimmst oder nicht. 😉 Ich bin sicher du bist wunderbar, genau so wie du bist!

      Liebe Grüße,
      Babsi

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  3. Hallo Babsi! Ein richtig toller Beitrag! Ich hoffe, dass diese ganzen Verurteilungen und Beleidigungen zum menschlichen Körper irgendwann mal ein Ende nehmen. Ja, das ist wahrscheinlich ein hoffnungslos naiver Gedanke, aber ich wünsche es mir trotzdem.

    Ich finde es gut, dass du auch ein bisschen die Eltern-Rolle mit eingebracht hast. Ich denke, diese haben es hier nicht immer so leicht. Du sagst es ja schon: Die Eltern wollen eben das beste für einen. Und sind wir ehrlich: Es gibt bestimmt genügend Mädchen, die ihre Eltern für ihr späteres Körpergefühl verantwortlich machen. Entweder haben sie zu wenig getan oder zu viel. Anstatt zu sagen: „Du musst dich wohl in deinem Körper fühlen“, kommt entweder so etwas wie: „Du gehst ganz schön auf, mach mal mehr Sport und iss weniger Schokolade“ oder eben „Du bist ja ein richtiger Hungerhaken, iss mal mehr damit du etwas wirst!“.

    In Büchern ist mir das bisher noch nicht so aufgefallen, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich kaum Bücher aus dem Bereich Young / New Adult lese, wo diese Themen ja häufig eine Rolle spielen. Auf der einen Seite denke ich , dass solche Bemerkungen in Büchern einfach die Realität in Bezug auf das gesellschaftliche Denken wiederspiegeln – was natürlich traurig ist. Auf der anderen Seite denke ich, dass ein Buch eben als Plattform genutzt werden kann und genutzt werden sollte, um eben den Menschen hier ein bessere Einstellung zu vermitteln. Beides hat seine Vor und Nachteile. Es kann falsch verstanden werden oder aber auch zu solchen tollen Beiträgen wie deinem anregen und zum Austausch führen.

    Zum Schluss noch ein Danke für’s verlinken 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Pia,

      ich habe dich sehr gerne verlinkt, dein Beitrag ist auch super!

      Eltern prägen einen aber sie sind niemals allein verantwortlich, da spielt so viel mehr mit hinein.
      Das Problem liegt natürlich auch an der Gesellschaft – oftmals geben wir nur wieder was wir im Umfeld hören oder was allgemein hin als akzeptiert gilt. Das geschieht gar nicht immer mit einer bösen Intention.

      Genau der Meinung bin ich auch! An vielen Stellen wird leider nur nicht kritisch genug über ebenjene Bücher diskutiert – das ist schade und gerade junge Leute neigen dazu fiktionale Charaktere o.Ä. zu glorifizieren oder sich genau so einen Typen zu suchen – was dann wiederum nicht so toll ist. Aber man kann auch niemanden vor Fehlern des Lebens schützen, manche Dinge muss man einfach selbst lernen.
      Nochmal vielen Dank für deinen Kommentar ❤

      Liebe Grüße,
      Babsi

      Gefällt 1 Person

  4. Wirklich toller Beitrag. Ich finde Bodypositivity auch sehr wichtig, aber es ist schrecklich, dass das so oft mit „ist doch besser als xy“ einhergeht und man nicht einfach alle anderen auch akzeptieren kann. Nur weil man mit sich selbst mit etwas Übergewicht zufrieden ist, heißt das nicht, dass das die beste Option ist und jeder sich da anpassen muss – das ist wieder genau das Gegenteil von Bodypositivity, verlagert nur den Schwerpunkt. Dass zu viel Gewicht nicht gesund ist, ist wohl jedem klar, aber das gibt trotzdem niemandem das Recht, sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Es geht mich schlicht nichts an, wie sich andere Leute ernähren und mir schadet es nicht.

    Was den Set Point angeht habe ich wohl gelesen, dass es ihn nicht wirklich gibt, sondern das Gewicht nur davon abhängt, wie man sich ernährt und wie viele Kalorien man zu sich nimmt. Mit dem Gewicht steigt ja auch der Verbrauch und so führt es dann dazu, dass man an einem bestimmten Punkt „steckenbleibt“, wenn man seine Ernährung nicht verändert. Natürlich bin ich kein Experte, aber anhand dieser Erklärung stimmt es dann nicht, dass man das nicht beeinflussen kann. Und zum Thema Knochenstruktur muss ich auch sagen, dass sie sich entsprechend der Körpermasse anpasst. Ich habe letztes Jahr zum Beispiel knapp 10kg abgenommen und hatte auch erst mal etwas rausstehende Rippen, das hat sich mittlerweile aber wieder gelegt und sieht wieder „gesünder“ aus. Sowas ist also kein Hindernis, wenn man etwas ändern möchte. 🙂 Das aber nur so am Rande, das ändert ja nichts an der Aussage des Beitrags.

    Ich finde auch, dass Charaktere mit problematischen Ansichten existieren dürfen, solange man sich damit kritisch auseinandersetzt. Wenn klar wird, dass das nicht okay ist, ist das durchaus in Ordnung und für mich auch erwünscht. Irgendwie muss sowas vermittelt werden und entsprechende Themen totzuschweigen ist ja nicht die Lösung. Solche Aussagen wie im Beispiel oben aber einfach so stehenzulassen und zu akzeptieren geht für mich gar nicht. Skinnyshaming ist kein bisschen besser als Fatshaming.

    Liebe Grüße!
    Jacqueline

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jacqueline,

      Das ist mir wichtig. Dass die Leute wissen, dass weder extremes Über- noch Untergewicht gesund ist, davon bin ich ausgegangen. Mir war es wichtig zu betonen, dass nicht alle den idealen Mittelwert erreichen können/wollen/müssen – und dass das in Ordnung ist.

      Natürlich hast du da Recht. Die Ernährung und Sport machen viel aus. Mir ging es nur darum zu betonen, dass viele Dinge einfach schwerer zu beeinflussen sind und dass man niemanden nur nach dem Äußeren beurteilen sollte – vor allem weil man nie weiß wie die Person sich sonst verhält, wie sehr sie sich womöglich anstrengt gesund zu sein und mehr oder weniger zu essen.

      Definitiv! Wobei ich wie gesagt nicht glaube, dass sich die Autoren solcher Aussagen immer bewusst sind. Was keine Entschuldigung sein soll, nur ein Anstoß an alle, die den Beitrag lesen, mehr zu reflektieren.

      Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar ❤
      Babsi

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      1. Ja, das ist mir klar und das ist auch gut deutlich geworden 🙂

        Ich denke auch, dass vielen gar nicht bewusst ist, was sie teilweise so unbedacht von sich geben. Hoffentlich helfen da solche Beiträge, ein bisschen mehr darauf zu achten.

        Sehr gerne!

        Gefällt 1 Person

  5. Ein richtiger, wichtiger & sehr gut ausgearbeiteter Beitrag von dir! Was soll ich dazu noch ergänzend sagen? Du hast alles sehr gut in Worte verfasst und ich hoffe deine Worte ziehen große Kreise!!

    Sei lieb gegrüßt
    Janna

    Gefällt 1 Person

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