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[Rezension] Schneepoet von Nika Sachs

Ich habe das Ebook als Rezensionsexemplar vorab von der lieben und fantastischen Nika zur Verfügung gestellt bekommen! Vielen lieben Dank.

Nika Sachs – Schneepoet

Worum geht’s?

Luc ist innerlich zerissen. Zwischen seiner Identität, seiner Entscheidung die Liebe seines Lebens Inga zu verlassen, zwischen Deutschland und Frankreich. Er flüchtet sich zu seinem Zwillingsbruder Silas nach Paris, wo er Heilung und Ablenkung in Exzessen sucht. Frauen, Drogen – nichts stillt dauerhaft seinen Hunger nach Liebe. Im Kampf gegen sich selbst, seine bipolare Störunge und selbszerstörerischen Tendenzen begleiten wir Luc in Form von Tagebucheinträgen. Wir sehen die Welt mit seinen Augen, erhalten Einblick in seine verletztliche, poetische Seele. „Schneepoet“ bildet den Auftakt zu Lucs Geschichte.

Genre: tragisch-komisch-romantisch-erotischer Entwicklungsroman
Verlag: TWENTYSIX
Taschebuch: 10,99€|Ebook: erscheint noch

Schneepoet_Cover_Preview_Front

Meine Meinung:

Die Aufmachung ist toll. Das Cover hat Nika selbst gestaltet, der Strommast-Eiffelturm ist selbstgezeichnet! Für mich spiegelt das Cover wunderbar die Stimmung wieder. Wolken, ein grauer Himmel und eine Stromtrasse, die scheinbar in die Unendlichkeit verläuft. Es wirkt professionell und zeitlos.

Nikas Schreibstil ist für mich einzigartig und fesselnd. Ab Seite Eins steigen wir in Lucs Gedankenkarussell ein. Wir drehen uns im Kreis, sehen durch seine Augen, unverfälscht, ironisch, nachdenklich. Die Geschichte wirkt keinesfalls abgehackt oder bruchstückhaft, durch die verschiedenen Einträge erhalten wir ein klares Bild, Luc, der die Ereignisse reflektiert. Mit Wortwitz, tollen Formulierungen und zahlreichen klasse Wortspielereien, die ich gerne mit einem Textmarker angemalt hätte (Auf dem E-Reader geht das nur nicht so gut). Ich war überrascht wie fesselnd, turbulent und emotional die Sprache die Geschichte transportierte. Ich will mehr lesen, was Nikas Fingern und Hirn entsprungen ist. Mehr von diesem Erzählstil, mehr von diesem mühelos wirkenden Wortwitz, der Selbstironie.

Die Charaktere bilden natürlich das Herzstück der Geschichte.

  • Luc, unser Erzähler, unser kaputter Philosoph, den man einfach in den Arm nehmen möchte. Ein junger Mann, der seine Entscheidungen trifft, der sich in Abenteuer und Liebschaften stürzt, der dennoch sympathisch und liebevoll wirkt. Er wirkt im Leben immer ein bisschen deplatziert, ein bisschen fehl am Platz. Seine Suche nach einem emotionalen Zuhause ist spannend und er liegt mir als Leserin unfassbar am Herzen.
  • Sein Zwillingsbruder Silas ist anders und doch ähnlich. Der schroffe, intelligente Raucher, der Luc gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt und sich dennoch sorgt. Man könnte meinen, dass die beiden kaum verschiedener sein könnten und doch suchen sie beide nach einem sicheren Hafen. Silas bewältigt sein Leben jedoch ein wenig geschickter als Luc. Silas wirkt auf seine eigene Weise anziehend, verrucht und deutlich erwachsener als Luc. Ich hab ihn zwischendurch ein bisschen angeschmachtet.
  • Inga, Lucs Exfreundin, die im Buch nie selbst agiert. Wir erleben sie nur in Lucs Erinnerung und dort wirkt sie wie ein warmer Sonnentag, ein unperfekter, aber liebevoller Mensch. Kreativ, forsch und selbstbestimmt. Und wir leiden mit Luc, der seine alte Liebe nicht aus dem Kopf bekommt. Ich freue mich schon sehr auf das „Prequel“ zu Schneepoet, das aus Ingas Sicht geschrieben sein wird.
  • Veró, Lou, Niri – Frauen, die sowohl in Lucs als auch in Silas‘ Leben durchaus wichtige Rollen übernehmen. Starke Frauenfiguren, die ihre eigenen Dämonen mit sich herumtragen. Niri, Lucs Mitbewohnerin, ist mir so unfassbar sympathisch und ich liebe ihre Gespräche mit Luc zu Anfang des Buchs. Verónique war mir etwas unsympathischer. Sie gab die starke Löwin, die verbotene Frucht und war doch selbst so unglaublich zerbrechlich. Sie erschien mir weniger greifbar, weniger real und doch verstand ich die unwirkliche Faszination, die sie auf unsere Zwillinge gewirkt hat. Lou, eine intelligente, junge Frau war wichtig für Lucs Entwicklung und mir gefiel ihre teils kompromisslose, direkte Art.
  • Oma Hanni – so eine Oma wünscht sich jeder.

Die Charaktere waren vielfältig und unfassbar facettenreich. Ich wurde oft überrascht und habe wirklich zu jedem Charakter eine Bindung aufgebaut. Manchmal mit zwiespältigen Gefühlen, doch immer emotional. Es gab für mich kaum Charaktere im Buch, die unwichtig oder überflüssig waren. Und alle wirkten real und lebending, als existierten sie wirklich irgendwo da draußen in den Straßen von Paris.

Inhaltlich ist das Buch schonungslos, besonders und dreckig. Nika wie Luc nehmen kein Blatt vor den Mund, nennen die Kinder beim Namen und das auf eine sehr philosophische Art und Weise. Mir gefiel die Entwicklung, die Einblicke in Lucs Psyche. Seine innere Aufgewühltheit und seine Beobachtungen. Die Fahrt in Lucs „Gedankenkarussell“ war mitreißend und voller Eindrücke. Man landete mit Luc im Rausch auf dem Zimmerboden, fühlte die Extase seiner Beziehungen. Streit, Liebschaften, Höhen und Tiefen waren so real und schmerzhaft, als wären wir eines der kleinen Männchen auf Lucs Schulter. Die Konsequenzen jedes Verhaltens, die Zufälle, die bewusst begangenen Fehler – Luc wurde zu einer wirklichen Person und sein Leben ist spannend und ungeschönt. Das Buch will kein exzesshafter Erotikroman sein, es erzählt Lucs Leben mit allen, wirklich allen, Facetten.

Das „Ende„, die letzte Seite wirft uns zunächst grob vom Gedankenkarussell, dabei sind wir noch gar nicht fertig all die Eindrücke und Details zu verarbeiten. Ich möchte nochmal fahren. Davor vielleicht aber ein paar Schokofrüchte und ein Glas Gin Tonic für die Nerven. Der zweite Teil erscheint 2018, die Vorgeschichte aus Ingas Sicht im Dezember.

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Mein Fazit:

Ich habe ein Stück meines Herzens verloren. An Luc, an Silas, an Inga und an Nikas geniales Buch. Es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, Lukas bei seiner Achterbahnfahrt zu begleiten, aber für mich war es fesselnd, spannend und emotional. Ich möchte mehr lesen, mehr von der Ehrlichkeit, der schmutzig-ironischen Poesie, mehr von diesem Lebensgefühl. Ich bin sehr gespannt auf die folgenden Geschichten aus diesem Universum. „Schneepoet“ war für mich eine bisher einzigartige Leseerfahrung und deswegen kann ich nicht anders, als die volle Punktzahl von fünf Seesternen zu vergeben. Eine klare Leseempfehlung für alle, die keine Angst vor den schonungslosen und düsteren Seiten des Lebens haben.

5seesterne

Weitere Meinungen:

 


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5 Kommentare zu „[Rezension] Schneepoet von Nika Sachs

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