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[Rezension] Geständnisse von Kanae Minato

Dieses Buch stand schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste. Ich habe mich neu auf dem Bloggerportal von Randomhouse angemeldet und als ich den Titel entdeckte, habe ich es direkt angefragt. Tatsächlich bekam ich es dann auch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

 

Kanae Minato – Geständnisse

Worum geht’s?

Die Tochter der Lehrerin Frau Moriguchi ertrinkt im Schwimmbad der Schule. Doch das Ganze ist kein Unfall: Zwei ihrer Schüler sind verantwortlich. Und Frau Moriguchi möchte Rache. Aus mehreren Perspektiven spinnt sich eine Geschichte über die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche zusammen, die Lage in der Klasse spitzt sich zu und es gibt weitere Tote. Das Böse und der Wahnsinn schlummern in jedem, wie wir durch die verschiedenen Kapitel aus der Sicht mehrer Personen erfahren.

  • Genre: psychologisches Drama
  • Verlag: Bertelsmann
  • gebunden*: 16,99€ |Ebook*: 13,99€

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Meine Meinung:

Das Cover ist schlicht, wirkt beinahe harmlos, lediglich der blutende Apfel lässt uns vermuten, dass das Buch nicht ganz so unschuldig ist, wie die Aufmachung es vermuten lässt. Auch wenn ich das Design mag, hätte ich mir gewünscht, dass vielleicht ein Bezug zur Geschichte hergestellt werden könnte z.B. in Form eines Häschens oder einer Milchtüte.

Kanae Minatos Schreibstil lässt sich flüssig lesen, wir sind direkt im Kopf der betreffenden Figuren und sie versteht es auch durch die Ausdrucks- und Schreibweise, den verschiedenen Charakteren Leben einzuhauchen und ihre Persönlichkeit penibel zu zeichnen. Die Übersetzung erscheint mir gut gelungen, denn die ein oder anderen japanischen Eigenarten kommen gut zur Geltung und die Formulierungen finde ich passend gewählt.

Allzu viel kann ich an dieser Stelle nicht zu viel über die Charaktere verraten, denn sie bilden das Herzstück der Geschichte. Ihre Abgründe, Motive und Entwicklungen treiben das Geschehen voran. Wer ist wirklich Schuld? Was war der Auslöser? Kleine Erfahrungen wirken wie winzige Zahnräder in einer Maschinerie und scheinbar beiläufige Begegnungen und Erlebnisse führen letztendlich zu den grausamen Geschehnissen im Buch. Wie wird jemand Böse? Warum töten jemand? Kanae Minato erzählt es uns und für den jeweiligen Charakter ergibt es Sinn. Verstörend.

Lehrerin Moriguchi, Mizuki, Shuuya, Naoki, Naokis Mutter. Alle spielen sie eine wichtige Rolle, alle sind sie Teil der Spirale des Verderbens.

Der Inhalt des Buches ist einzigartig und höchst beklemmend. Bereits nach wenigen Seiten ist klar, dass dieses Buch anders erzählt als die meisten Bücher. Die japanische Psyche, gewisse Ansichten über Pflichtgefühl, Schuld – die Geschichte funktioniert vor allem, weil sie dort spielt, wo sie spielt und weil die Charaktere so sind, wie sie sind. Als Leser findet man es unverständlich und doch ergibt es Sinn, dass es kommt wie es kommen muss. Nach und nach decken wir immer ein Stückchen mehr der Wahrheit auf und haben wir Mitleid mit den Charakteren bleibt am Ende nur eine leichte Verstörtheit zurück. Wer ist das wahre Opfer, wer ist wirklich Schuld – kann man überhaupt irgendjemanden verantwortlich machen? Diese genaue Analyse der Bösartigkeit der Menschen, der perfide Aufbau, der genaue Blick in die Psyche der Charaktere – all das fesselt ungemein. Das Buch hat zwar nur knapp 300 Seiten, dennoch war ich ungewöhnlich schnell durch, einfach weil es mich so sehr in seinen Bann gezogen hat. Ein dramatischer Thriller, bösartig und hoffnungslos.

Das Ende lässt uns schockiert zurück. Es spitzt sich zu und am Ende wissen wir nicht, ob irgendjemand in diesem Buch irgendetwas gewonnen oder erreicht hat. Wir können aufatmen, die beklemmende, spannende Geschichte ist vorbei und wir finden uns sicher in unserem gemütlichen Bett wieder. Wir haben schreckliche Dinge erfahren und zu wissen, wozu Menschen fähig sind, wenn nur viele kleine Puzzlestücke zusammenkommen, ist wahrlich beängstigend.

Mein Fazit:

Wow, was bin ich beeindruckt. Ich hatte viel Gutes über das Buch gehört und ich dachte nicht, dass es mich so fesseln kann. Ich bin ein großer Fan der japanischen Kultur, auch wenn ich einige in Japan übliche Charakterzüge und Denkweisen als ziemlich toxisch empfinde. Die Psyche und die geistige Gesundheit, das sind flatterhafte Dinge und es scheint einfach, sie zu zerreißen. Die Geständnisse der Charaktere lesen sich gleichsam spannend, wie verstörend. Das Buch ist ein düsteres, perfides Kammerspiel und ich kann es allen Fans von japanischem Horror (nicht übernatürlich) und psychologischen Krimis/Thrillern ans Herz legen. Es lässt mich frösteln, grübeln und nachdenken und ich musste mich sofort hinsetzen und diese Rezension schreiben. Dafür gibt es von mir eine klare Leseempfehlung und 5 Seesterne.

5seesterne


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Ein Kommentar zu „[Rezension] Geständnisse von Kanae Minato

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