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[Rezension] Scherbennacht von Nicole Neubauer

Ein Buch von der überaus reizenden Nicole Neubauer zu lesen stand schon seit langem auf meiner To Do Liste. Als das Bloggerportal dann ihren neuesten Krimi „Scherbennacht“ als Rezensionsexemplar anbot, habe ich mich dann einfach mal dafür beworben und glücklicherweise eins abstauben können! Vielen Dank dafür!

Ich habe das Buch zusammen mit der lieben Janna von KeJas Blogbuch gelesen und wir haben beide ganz schön mit Hannes, Michael und Elli gelitten und fleißig gerätselt, wer der Mörder ist.

~Videorezension folgt~

Nicole Neubauer – Scherbennacht (Kommissar Waechter 3)

Worum geht’s?
„Scherbennacht“ ist der dritte Teil der Reihe um Kommissar Waechter und sein Team. Es ist nicht nötig, die anderen Bände zu lesen, um die Ereignisse des Buches zu verstehen. (Ich werde die Vorbände aber auf jeden Fall nachlesen! 😉 )

Ein Drogenfahnder der Polizei wird erschossen auf einem abgelegenem Grundstück vorgefunden. Die Joggerin, die die Leiche gefunden hat, gehört zu einer speziellen Eingrifftruppe der Polizei, die bei Krawallen und Demonstrationen für Ordnung sorgt. Der Fall ist verzwickt, die Ermittlungen führen bis in die Vergangenheit des Kollegen und seinen schwerwiegendesten Fehler als Polizist. Hat die Vergangenheit ihn eingeholt oder hat er seine Nase in die falschen Angelegenheiten gesteckt? Zusätzlich muss sich Kommissar Waechter auch mit seinem Kollegen Hannes auseinandersetzen, der nach langer Abwesenheit wieder in den Dienst zurückkehrt und alles andere als stabil ist. Das sommerliche München fungiert dabei als Kochtopf und es sind weitaus mehr Personen involviert, als ursprünglich angenommen.

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Meine Meinung:

Das Cover besticht durch seine schöne Farbgebung, die Schlichtheit und den Verzicht von großen Grusel-Effekten und Blut und hebt sich dadurch angenehm von anderen Vertretern des Genres ab.

Nicole Neubauers Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, die Dialoge sind glaubhaft und interessant, die Szenerie wird eher weniger beschrieben und wir bleiben näher am Geschehen als am Drumherum. Es geht vor allem um die Beziehungen und Gedanken der Charaktere. Ich würde mir an manchen Stellen ruhig etwas mehr Beschreibung und Ausgestaltung wünschen, aber das ist ja Geschmackssache.

Der Inhalt besticht durch seine mehreren Handlungsebenen und Probleme. Einerseits haben alle Ermittler reale Probleme und Sorgen, die sie bei den Ermittlungen und im Alltag beschäftigen und behindern. Angenehm ist jedoch, dass beides in Balance gehalten wird und die Spannung niemals abbricht, denn wenn die Ermittlungen stocken, so sorgt garantiert das Privatleben der Polizisten für Abwechslung und Spannung. Nicole Neubauer lässt ihre Figuren ganz schön schuften! Durch die vielseitigen Charaktere, die vielen Grautöne und Nuancen lässt uns Nicole Neubauer lange im Dunkeln tappen, bevor wir erahnen können, wer welche Fäden in der Hand hat. Am Ende sitzen wir mit Kommissar Waechter buchstäblich in einem Scherbenhaufen und fragen uns, wie sich die Geschichte verändert hätte, wenn an einigen Punkten des Weges nur eine Kleinigkeit anders gelaufen wäre. Das trägt maßgeblich zur Spannung bei und ist viel wirkungsvoller, langlebiger und fesselnder als so mancher blutiger Schlachtkrimi um Serienmörder. Auch wenn der Fall am Ende gelöst wird, so sind viele Probleme aufgetreten, die es erst noch zu Lösen gilt. Und darauf müssen wir als Leser leider bis zum nächsten Band warten. Mindestens genauso fies wie ein Cliffhanger!

Die Charaktere sind das Kernstück eines guten Buches und sind für mich oftmals der Punkt, mit dem eine Geschichte fällt oder siegt. Nicole Neubauer hat interessante, humorvolle Charaktere, die weder übertrieben düster und ernst, noch Clowns sind, bei denen man sich fragt, wie sie es in die Polizei-Laufbahn verschlagen hat. Scharfsinn, Menschlichkeit und die interessanten, wechselhaften Grautöne machen das Team um Kommissar Waechter zu einer liebevollen Gruppe, deren Erfolg und Scheitern einem wirklich am Herzen liegt. Auch um den Toten, der im Buch ja nicht mehr aktiv vorkommt, wird eine interessante Geschichte gewebt, die nicht klar vorschreibt, was für eine Person der Verstorbene war. Wie im echten Leben gibt es vielerlei Facetten und dem Leser obliegt es am Ende, welchen Aspekten er mehr Gewicht schenkt. Ähnlich sieht es auch mit der Moral der Charaktere aus. So haben wir neben Waechters Team um Hannes, Elli und den Hüter des Schweigens auch die Sondereinsatztruppe um Sunny, Patrick, Milan und die anderen Jungs. Als einzige Frau hat es Sunny sehr schwer und wir lernen sie sowohl als kalt und berechnend, aber auch als liebevolle Freundin kennen. Durch diese wirklich lebendigen Charaktere fällt es uns als Leser auch schwer ein Urteil zu fällen. Wer hat den Mord begangen? Wer hat Datensätze manipuliert? Am Ende gibt es eine klare Antwort – zumindest auf die einfachen Fragen. Wer ist Schuld? Nun, das ist ein Dilemma, das wie im echten Leben nicht abschließend geklärt werden kann. Die Charaktere liegen einem auf der letzten Seite sehr am Herzen und es zerreißt einen förmlich, dass man nicht sofort erfährt, wie es mit ihnen weitergeht. Manchmal möchte man auch in die Geschichte hüpfen, sie ohrfeigen, sie in den Arm nehmen oder ihnen mal die Meinung geigen.

Das Ende lässt nochmal erahnen, warum der Titel „Scherbennacht“ lautet. Der Fall wird gelöst, Friede Freude Eierkuchen ist aber weit davon entfernt. Das Buch reißt mit und wir leiden und lernen mit den Charakteren und hoffen nur, dass es sich für sie zum Guten wenden wird, auch wenn vieles auf dem Weg zur Lösung des Verbrechens angeknackst wurde. Wo Brücken gebaut wurden, wurden andere Brücken eingerissen. Ich kann gut mit dem Ende leben, aber ich möchte unbedingt wissen, wie es mit unseren Charakteren weitergeht. Um die Wartezeit auf den nächsten Band zu überbrücken, werde ich Band 1 und 2 nachlesen, um die Vorgeschichte der so lieb gewonnen Charaktere zu erfahren. Für mich ging es am Ende doch nochmal einen Funken zu schnell, da wäre noch Potenzial gewesen, die Nerven der Leser noch mehr zu spannen.

Fazit:

Für mich ein ausgesprochen positiver Ausflug ins Krimi-Genre, der mir zeigt, dass es noch interessante Ermittler gibt – und vor allem, dass es keine grausamen abgefahrene Serienkiller braucht, um Spannung und Herzklopfen beim Leser zu erzeugen. Nicole Neubauer hat mich als Leserin von ihrem Talent überzeugt, fesselnde Geschichten mit vielseitigen Charaktere zu erzählen. Hier und da hätte es meinetwegen noch ein bisschen verzwickter werden können, aber ansonsten kann ich das Buch und die Autorin sowohl Krimi-Fans als auch Krimi-Touristen, wie ich es einer bin, wärmstens ans Herz legen. Von mir gibt es vier Seesterne!

4seesterne

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Ein Kommentar zu „[Rezension] Scherbennacht von Nicole Neubauer

  1. Hallo Babsi.
    Da hast du mir ein Buch mal wieder schmackhaft gemacht. Obwohl ich eigentlich keine Krimileserin bin. Aber bei soviel Spannung reizt es einem doch. Mal sehen.
    Ich finde es lustig das du manches mal ins Buch steigen wolltest, das passiert mir auch öfter mal. Ich häng auch ständig so in den Geschichten drin das ich mich wie ein Mitwirkender vorkomme.
    Vielen Dank für die tolle Buch Vorstellung.
    LG, Nati

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