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[Rezension] Die Vegetarierin von Han Kang

Dieses Buch wurde von vielen Leuten als besonders verstörend und einzigartig beschrieben – und ich wollte es auch unbedingt lesen!

  • Autorin: Han Kang
  • Titel: Die Vegetarierin
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch
  • Genre: Erzählung
  • Taschenbuch*: 10€  | Ebook*: 3,99€

Worum geht’s?
Aufgrund eines Traums beschließt Yong-Hye kein Fleisch mehr zu essen. Ihren Ehemann, der seine Frau aufgrund ihrer Normalität mochte und ihre Familie ist zunehmend besorgt wegen dem seltsamen Verhalten, das sie ab da an zeigt. Durch ihre Metamorphose verwickelt Yong-Hye auch ihre Schwester und deren Ehemann in ein undurchsichtiges Netz aus Emotionen.

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Meine Meinung:

Nachdem ich das Buch beendet hatte, wusste ich erstmal gar nicht, was ich davon denken sollte. Ich habe das Buch in zwei Lesesitzungen durchgelesen, weil es mich so gefesselt hat. Vegetarismus – in Deutschland inzwischen großflächig akzeptiert, wenn auch manchmal belächelt. In Südkorea herrscht weitaus weniger Verständnis für Vegetarier oder gar Veganer. Aber wer denkt, es geht hier um diese Art von moralischen Konflikt, hat weit gefehlt. Es geht um Emotionen, das konfuse Innenleben mehrerer Menschen, die durch die Entscheidung von Yong-Hye beeinflusst, verändert und in gewisser Weise auch befreit werden. „Kafkaesk“ mag es ganz gut treffen, auch wenn ich denke, dass dieses Buch durchaus verständlicher ist, wenn man es beendet hat. Die Psyche und ihre komplexen Wege, unergründlich, individuell und manchmal so abstrus, dass man nur kopfkratzend daneben stehen kann.

Han Kang versteht es mit ihrer Sprache wunderschöne, traumhafte Bilder zu zeichnen, weiß mit blumigen Worten zu umschreiben und genau dann kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es nötig ist. Wir verstehen Hauptfigur Yong-Hye nicht wirklich. Wir sehen und beobachten sie und erfahren erst gegen Ende das ganze Ausmaß ihres Verhaltens. Wobei verstehen vielleicht zu viel ist. Man kann es nicht verstehen, aber wir bekommen die traurige Ahnung, was sie antreibt. Das Buch hat mich verstört, verwirrt und berührt. Das Ende ist nicht ganz befriedigend, haben wir lediglich einen Ausschnitt gesehen. Den Ausschnitt aus dem Leben einer Frau, die beschließt, kein Fleisch mehr zu essen und den Leuten, die mit ihr interagieren.

Normalerweise schreibe ich viel längere Rezensionen, über die Charaktere, über den Schreibstil, über den Spannungsverlauf. Wir beobachten eine Art Verfall, ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Und die Hoffnung, dass alles gut endet, bleibt bis zuletzt. Auf dieses Buch muss man sich einfach einlassen – je mehr man vorher darüber weiß, desto weniger wirkt die Atmosphäre denke ich.

Fazit:

Ehrlich gesagt weiß ich auch jetzt nicht genau wie ich das Buch bewerten soll. Es hat meine Erwartungen dahingehend erfüllt, dass es einzigartig und verstörend ist. Aber – für mich – auf eine gute Art und Weise. Wer eine runde Geschichte erzählt bekommen möchte, der ist mit diesem Buch falsch bedient. Wer jedoch etwas Nachdenkliches, Neuartiges und Bedrückendes sucht, der darf gerne zugreifen.

3,5seesterne

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5 Kommentare zu „[Rezension] Die Vegetarierin von Han Kang

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